Thema dieser Webseite:

sind SED – DDR - politisch motivierte Kindesentziehungen und die daraus folgenden Zwangs-Adoptionen in neue System-treue-Familien. Selbstverständlich gehören auch die vielen tausende Heimkindern mit zu dieser Thematik, die u.a. durch politischen Haftzeiten der Eltern in Heime gesteckt wurden und auf Grund ihres Alters nicht vermittelt wurden..

 


UOKG- Beratungsstelle zum Thema Zwangsadoptionen

Tel: 030 55 77 93 54

Ansprechpartnerin: Katrin Behr


Neuerscheinung: Biografie einer Zwangsadoptierten

Entrissen: Der Tag, als die DDR mir meine Mutter nahm Inhalt:
Es ist ein kalter Morgen, als die Männer in den langen, dunklen Mänteln kommen und ihre Mutter abholen. Vier Jahre ist Katrin Behr damals alt. Ihr Bruder und sie werden in ein Heim gebracht und bald schon voneinander getrennt: Katrin wird von einer linientreuen Familie aufgenommen und schließlich zwangsadoptiert. Ihre Welt ist aus dem Lot. Noch viele Jahre wartet sie auf die Rückkehr ihrer Mama – vergebens. Erst als Erwachsene, nach dem Fall der Mauer, findet sie endlich eine Spur, die zu ihrer Mutter führt. Doch diese ist eine gebrochene Frau, viele Jahre in Haft haben sie gezeichnet. Und je mehr Katrin Behr sich mit ihrer eigenen Geschichte befasst, in Archive und auf Ämter geht, um Licht in die Vergangenheit zu bringen, desto mehr Schicksale begegnen ihr: Tausende von Kindern wurden in der DDR ihren Eltern weggenommen, weil diese politisch missliebig oder potenzielle Republikflüchtlinge waren. Und sie suchen noch heute nach ihren wahren Familien.
Autoren: Katrin Behr, Peter Hartl
Verlag: Droemer
Seitenzahl: 304 (Hardcover)
ISBN: 3-426-27566-X / 978-3-426-27566-5

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Archiv-Video - Ostthüringen Journal

Ideologisch motivierte Zwangsadoptionen gehören zu den dunkelsten Kapiteln der SED-Herrschaft und sind nach wie vor ein “dunkles” Thema in unserer heutigen Gesellschaft. „Zwangsadoption in der DDR” erregt nach wie vor die Gemüter.


Im Artikel 38 Abs. 4 Satz 1 der Verfassung von 1968 wird ausdrücklich die Pflicht betont, Kinder im sozialistischen Sinne – sprich zu staatsbewußten Bürgern - zu erziehen.


Auszug aus „Zwangsadoptionen in der DDR“ von Marie-Luise Warnecke

Auftrag der Eltern:

Ihre Kinder zu „gesunden, lebensfrohen und tüchtigen Menschen, zu aktiven Erbauern des Sozialismus“ zu erziehen. Das wurde als wichtigste Funktion der Familie angesehen. Aufgabe der Eltern war es, ihren Kindern den Zugang zur sozialistischen Gesellschaft sowohl praktisch als auch geistig zu eröffnen und sie zu „sozialistischen Persönlichkeiten heranzubilden, die eine hohe Allgemeinbildung besitzen, gute Staatsbürger […] sind und Charaktereigenschaften ausweisen, die sie befähigen, ein glückliches Leben als Mitgestalter der sozialistischen Menschengemeinschaft zu führen“

Vor dem Hintergrund, dass man hinsichtlich des Erziehungszieles von einer Interessenidentität bei Familie und Gesellschaft, hatte der Gesetzgeber auch in dieser Norm festgelegt, dass neben den Eltern die gesamte sozialistische Gesellschaft an der Kindererziehung mitzuwirken hatte.

Die Beteiligung der Gesellschaft an der Kindererziehung wurde daher nicht als Eingriff, sondern als notwendige Unterstützung und Ergänzung gewertet, die dem Wesen der sozialistischen Gesellschaft immanent sei.


In dieser Kernaussage können Sie erkennen, worum es in der DDR tatsächlich ging. Erziehung war keine alleinige Aufgabe der Eltern, sondern viel mehr eine Pflicht, welche unter der Kontrolle durch die kompletten Umwelt (Familie, Freundeskreis, Arbeitskreis, Nachbarn) stand.

Noch immer sind viele Betroffene im Unklaren über ihr Schicksal. Zwangsadoptionen waren nicht nicht nur politisch bedingt. Sie geschahen oft unter dem Deckmantel des asozialen §249 des DDR-StGB. Leider trifft die Definition von der Clearingstelle in Berlin, Anfang der 90ziger Jahre, nur auf einen eingeschränkten Kreis von Betroffenen zu. Interessant ist es, dass bisher kein Betroffener von dieser Stelle damals etwas wusste. Sie wurde damals nach dem Fund von Akten eingerichtet, in denen sich Betroffene melden konnten.

Bis heute wurde diese Definition nicht korrigiert.

Das halten wir für einen sehr großen Fehler. Der sogenannte „asoziale“ Paragraf 249 StGB der DDR wird heute ebenso als Unrechtsparagraf anerkannt und somit sind die Verurteilten nach dem o.g. Paragrafen als politische Opfer anerkannt. Davon gab es laut Forschungsbericht 130.000 von insgesamt 280.000 politisch Verurteilten (zwischen 1960 und 1989).

Was ist mit deren Kindern, die ihnen entzogen wurden? Sie sind als politische Opfer anerkannt und deren Kindeswegnahmen sind nicht als Zwangsadoptionen deklariert, da die Definition seit den Anfängen der 90ziger Jahren nicht verändert wurde.

Das ist eine Schande. Wenn man allerdings das derzeitige politische Geschehen beobachtet, dann wird einem schlecht. Die Täter von damals sitzen heute, wie damals, in der Politik und es werden immer mehr. Ebenso sitzen teilweise immer noch damaligen Mitarbeiter der Jugendhilfe auf den heutigen Posten der Adoptionsvermittlungsstellen. Welch eine Doppelmoral – früher war deren Blickrichtung die Erziehung zu sozialistischen staatsbewußten Bürgern und heute …. ?

Die Frage, ob die Adoptierten tatsächlich die wirklichen Gründe ihrer Adoption erfahren oder man die wahren Hintergrundinformationen verschweigt, steht hier sehr groß im Raum? Diesen Fakt halten wir Betroffene für sehr bedenklich. Immer wieder kommen bei uns Beschwerden, über die Adoptionsvermittlungsstellen, an.

Es gab jedoch auch Willkürakte durch die damalige Jugendhilfe und von Eltern, welche noch die elterliche Sorge über schwangere Jugendliche hatten. Tatsachenberichte ergaben leider auch, dass mitunter „Zustimmungen” zur Adoptionsfreigabe nicht aus freien Stücken, sondern durch psychologischen Druck erzwungen wurden (zum Beispiel während der Haftzeiten oder durch Erpressung „dann nehmen wir ihnen alle Kinder“).

Auf diesem Portal geht es nicht um die freiwilligen Adoptionsfreigaben, die aus persönlichen Gründen geschahen und es geht auch nicht darum, wo man zum Wohle des Kindes entscheiden musste.

Alle Menschen sind herzlich dazu eingeladen, an diesem Thema teilhaben zu können. Wir möchten erreichen, unter Mithilfe vieler Menschen, dass die erfolgten Kindeswegnahmen und Zwangsadoptionen in der DDR der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Helfen Sie mit, dass endlich Licht ins Dunkle kommt und die betroffenen Kinder, deren Eltern auch als politische Opfer anerkannt werden, eine Chance und das Recht auf Rehabilitation umgehend erhalten und nicht erst in 20 Jahren oder noch später. Das trifft auch auf die Eltern und Kinder zu, welche Zersetzungsmaßnahmen ausgesetzt waren, aber keine Haftzeiten hatten.

Die Zahl der Anfragen steigt stetig. Unseren Ansatz, jeden Einzelnen ausführlich zu beraten und auf seiner Suche zu begleiten, können wir kaum noch umsetzen. Zumal wir uns zum Ziel gesetzt haben, auch die politischen und juristischen Hintergründe aufzuarbeiten. Aus diesem Grunde haben wir einen gemeinnützigen Verein „OvZ-DDR e.V. - Hilfe für Opfer von DDR Zwangsadoptionen” gegründet. Diese Vielschichtigkeit des Problems erfordert eine sehr gründliche Untersuchung jedes einzelnen Falls. Hier sind unsere Politiker gefragt. Die Resonanz auf unser Internetangebot zeigt, wie aktuell das Problem noch heute ist und das die Zeit gereift ist, wo sich viele betroffene Menschen zu Wort melden.

Liebe Politiker, hören Sie endlich auf, uns weiterhin zu ignorieren. Helfen Sie uns stattdessen in der Umsetzung unserer Idee und folgen Sie der Bitte all der Menschen, die dieses Thema während der DDR-Diktatur erleben mussten, um ihre Ansprüche auf entsprechende Opfer-Rehabilitation durch deutsche Gesetze wahrnehmen zu können. Wie lange sollen wir noch warten?

© 01.11.2007 Katrin Behr

Nachtrag

Suchanfrage nach allen Menschen, die in der ehemaligen DDR lebten ——–> 1. aktuelle Seite über PersonenSucheDDR (seit dem 02.01.2008)


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